Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf Israel, Griechenland und all das, was man über Putin nicht zu wissen braucht. Also fast jeden Artikel über ihn.

Die politische Landschaft in Europa ändert sich langsam.

Update: Während der Weihnachts- und Jahreswechselfeiertage wird es hier nun wieder ruhiger.

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Themen in Beobachtung

The Education Ministry will be transferring one billion shekels (about $257 million) to ultra-Orthodox educational institutions, in return for an allocation of hundreds of millions to the Settlement Division of the World Zionist Organization and local authorities in West Bank settlements.

Neben allem, was man am Thema Israel verhandeln kann, ist diese Entwicklung eine der wichtigeren. Dabei denke ich nicht nur an Israel. Wendet man den Blick nach Russland, dann wird man feststellen, dass es einen “heiligen Krieg” in Syrien führt. Die Türkei wendet sich ebenfalls immer mehr der Religion zu und nun auch deren alter, neuer Verbündeter Israel. Das Problem bei derlei Änderungen ist, dass Religion bei Konflikten, sofern sie sich an ihnen beteiligt, die Ratio rausnimmt. Es wird komplizierter solch einen Konflikt zu entwirren.

Greece’s creditors — known as the troika — include the European Central Bank, the European Commission and the IMF. Tsipras rallied against the control of this so-called troika on the country’s finances in his first election campaign in January 2015. He was re-elected last September based on the deal his government struck with European countries to fix Greece’s financing.

Dieser Vorgang ist höchst sonderbar, da der IWF eigentlich Tsipras größter Verbündeter sein könnte. Ähnlich wie auch Syriza will er einen Schuldenschnitt für Griechenland erreichen, da die Verbindlichkeiten als nicht mehr tragbar gelten. Allerdings will sich die Institution nicht an diesem Schuldenschnitt beteiligen und man wäre, allen Andeutungen die es gibt nach, wohl sehr gerne bereit, die Schulden Griechenlands bei den Europäern einfach auf 30 zinslose Jahre zu strecken. Mathematisch ein Schuldenschnitt, faktisch ergibt sich daraus aber für niemanden der Investitionsanreiz, den es bräuchte um Griechenland aus dem Sumpf zu ziehen.

Ebenso wichtig könnte für Tsipras sein, dass mit dem Ausscheiden des IWF aus “der Troika”, die Troika nicht mehr existent ist. Man hätte dann ein anderes Gebilde, die gleichen Probleme, könnte aber ein erfolgtes Wahlversprechen feiern. Das ist nicht so klein, wie es von außen scheint. Die Troika ist für Griechenland wie eine Besatzungsarmee und wird als Demütigung empfunden.

Es ist nur zu bezweifeln, dass der IWF aus der Pflicht gelassen wird. Für Merkel und Schäuble war er immer eine Absicherung, mit der sie die Kredite an Griechenland innerhalb der Union verbanden und verkauften.

This Russian behavior is particularly troubling because it is difficult to discern motives. We can’t make rational actor assumptions about Putin. That makes formulating policy all the more difficult. The only thing we know for sure is that Putin is intent on showing the world Russia is a great power and that he respects strength and takes advantage of perceived weakness. He pushes forward until there is pushback. This of course, is the story of the past 400 years of Russian history.

Jedes mal, wenn ich solche Artikel lese, staune ich darüber, wie stark all die klugen Köpfe dieser Welt sich auf Putin konzentrieren. Es existiert höhstselten eine Betrachtung, die sich den Machtverhältnissen der verschiedenen Gruppierungen des Kreml widmet. Dabei sind die durchaus entscheidend, denn ihre jeweilige Gewichtung muss von Putin austariert werden. Die gefühlte Planlosigkeit, mit der Russland die ganzen Problemfelder in 2015 beschritten hat, spricht dafür, dass da einiges in Bewegung ist.

So könnte sich auch die ewige Beobachtung auflösen, dernach Putin ein guter Taktiker scheint, aber kein guter Stratege ist. Seine Triebfeder ist nicht die außenpolitische, sondern die innenpolitische Lage und die stärke ihrer jeweiligen Lager. Dieses Ausbalancieren scheint leichter, wenn es einen einigenden Feind von außen gibt. Darüber lesen wir sehr wenig, weil der Kreml wie eh und je seine Nebelkerzen wirft. Doch sollte man sich davon auch nicht ablenken lassen.

  • Russische Justiz geht gegen Chodorkowski-Stiftung (Spiegel)

Es geht um 50 Mrd. US-Dollar und einen Kampf, der scheinbar nicht enden möchte. Die heutigen Durchsuchungen der Stiftung Chodorkowskis kamen mit Ansage, siehe mein per Twitter verbreitetes Foto der aktuellen Ausgabe der Moscow Times. Das Ziel ist zu prüfen, ob die Aktien überhaupt rechtmäßig erworben wurden. Warum solche Auskünfte in der Stiftung zu erhalten sein sollen, ist von außen nicht sichtbar.

Und auch sonst geht es hoch her. Die moskauer Ermittlungsbehörden haben Chodorkowski wegen Mordes zur Fahnung ausgeschrieben. Eine interessante Randnotiz ist, dass nicht so ganz klar ist, warum Moskau auf einmal so aufdreht. Als Triggerpunkt gelten zwei Ereignisse. Zum einen der Versuch von Yukos-Aktionären russische Guthaben- und Vermögenswerte im Ausland zu pfänden. Dies geschieht im Hintergrund des Urteils zur Entschädigung über 50 Mrd. US-Dollar, wird aber nicht von Chodorkowski betrieben. Zudem hat er am 9. Dezember 2015 eine “starke” Ansprache in London gehalten.

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Der Ablauf des Ganzen ist wichtig. Erst kam das Urteil, dann kamen die Pfändungsversuche, an denen Chodorkowski nicht teilnahm. Anschließend wurde ein Mordfall neu aufgerollt, in dem Chodorkowski plötzlich der Täter ist. Dann folgte die Rede in London und jetzt die Durchsuchung der Stiftung. Da dreht sich eindeutig eine Eskalationsspirale, innerhalb derer es aber keine Gewinner geben kann, da die Fronten klar abgesteckt und die jeweiligen Mittel sehr begrenzt (innerhalb bestehender Grenzen) sind.

Was Russland betrifft, scheint es mir weit weg von einer Revolution. Politischer Unmut wird hier über Proteste gegen Mautgebühren und zu hohe Parkgebühren kanalisiert. Zwar sind die Menschen unzufrieden wegen ihrer (nicht der!) wirtschaftlichen Lage, aber sie sind weit weg von dem, was man sich im nassen London erhoffen mag. Es ist komplett abstrakt und unterliegt höchstens der Ästhetik des Schattenboxens.

Das nächste große Tourismusding: Iran

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  • Katja Gloger – Putins Welt (Der Berlin Verlag stellte mir netterweise eine Rezensionsexemplar zur Verfügung. Das Buch kommt in die Reihe, da mir mehrere Empfehlungen zukamen. Ich versuche keine Erwartungen hineinzulegen.)
  • Atef Abu Saif – Frühstück mit der Drohne (Über den Krieg in Gaza aus der Erlebnisperspektive eines Bürgers.)

Buch (am Lesen)

  • Herfried Münkler – Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918

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  • Weihnachts- und Neujahrspause

Aktuelles Spiel

  • Weihnachts- und Neujahrspause

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf gesäte Ideen und die neu entdeckte alte Freundschaft zwischen Israel und der Türkei. Außerdem gibt es 36.000 Kinder zu sehen.

Die Wintersonnenwende droht.

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Kommentar

2015 scheint mir, vom Ende her betrachtet, ein Jahr der Saat.

Der IS konnte seine Idee in vielen Ländern dieser Welt verbreiten und die Konsequenz daraus werden wir erst in der Zukunft sehen. Ein Phänomen scheint die “Selbstradikalisierung” zu sein. Gemeint sind Menschen, die diese Saat als Anlass nehmen um selbst zu Mördern zu werden. Damit umzugehen, wird eine größere Aufgabe, zumal hier auch ganz klar die Freiheitsrechte in unseren westlichen Gesellschaften zur Disposition stehen. Meiner Beobachtung nach ist das sonderbare an dieser Freiheitsbeschneidung, dass sie zu mehr Überforderung bei unseren Sicherheitsdiensten führt. Mehr Daten braucht mehr Personal, das kostet mehr Geld und das wiederum ist nur schwer zu erlangen. Die größte Verschiebung scheint aber, dass vielen Ländern der westlichen Hemisphäre gewahr wird, dass sie selbst in das Spiel um Informationen und Spionage einsteigen müssen. Was mE allseitig übersehen wird, ist, dass dies zu einer gewissen Aufrüstung in vielen nicht sichtbaren militärischen und informationellen Bereichen führt.

Auch Phänomene wie Pegida und die AfD haben durch das Treiben des IS einen Aufschwung und, wie mancher befürchtet, eine Verankerung im politischen System Deutschlands, erlebt. Formulierte Ängste aus diesen Kreisen bekamen Nahrung und eine scheinbare Realität. Es brauchte nur der Verknüpfung mit dem Islam um die Legitimation zu erringen. Aber auch hier wird meinem Dafürhalten nach etwas fundamentales übersehen. Die Nutzung eines Themas mit allseitiger Aufmerksamkeit, um sich selbst überhaupt artikulieren zu können. Es lohnt sich durchaus, zu Diskussionen in den Osten zu fahren und die Leute reden zu lassen. Sie nehmen nahezu jeden Anlass dafür, ihren allgemeinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Das Thema ist fast egal und so sonderbar es klingen mag, aber die Einheit ist in den Köpfen des Osten noch immer nicht verdaut und sorgt für viel Frust.

Die Saat des IS beschränkt sich damit nicht nur auf den Terror, der durch sein Gefolge herbeigeführt wird, sondern vielmehr auf das staatliche und gesellschaftliche Verhalten.

Eine Idee ganz anderer Art kam durch Griechenland nach Europa. Austerität ist kein Selbstzweck und nicht zwingend sinnvoll. Zwar hat Tsipras mit Syriza die Schlacht gegen das Spardiktat durch ein von Deutschland angeführtes Europa verloren, aber keineswegs ist die Idee damit aus der Welt. Auch in Spanien und Portugal wendet man sich wieder mehr gen Links und bezweifelt, dass alles in Stein gemeißelt ist, was die Menschen darniederdrückt.

Und auch die Flüchtlinge selbst, sind eine Saat, die in Europa viel bewegen werden. Einmal mehr geht es um Werte und Wertigkeiten. Aber auch um Strukturen. Wir sehen gerade, wo Strukturen versagen und können uns aktiv damit beschäftigen dieses Versagen zu beheben. Oder als Gesellschaft unseren kulturellen Blick wieder weiten, weniger selbstbezogen schauen und agieren.

Themen in Beobachtung

  • Konflikte in 2016 (The Atlantic)

Another worry appeared for the first time in the survey: “political instability in EU countries stemming from the influx of refugees and migrants, with heightened civil unrest, isolated terrorist attacks, or violence against refugees and migrants.” And this judgment was made before ISIS’s November attacks in Paris; the survey concluded the day of the rampage.

Zum Glückt sorgt man sich um uns. Interessanter ist die Herabstufung.

Two contingencies were downgraded from high to medium priorities between this year’s survey and last year’s, even though hostilities in eachcase are still pronounced: an armed confrontation between China and its neighbors over territorial disputes in the South China Sea, and an escalation in fighting between Russian-backed militias and Ukrainian security forces in eastern Ukraine.

Im Gegensatz zu den US-Sicherheitsbehörden habe ich nicht den Eindruck, dass der Waffenstillstand in der Ostukraine hält. Zumal die Separatisten ein ganz neues Problem haben. Die Menschen werden unzufriedener und äußern dies auch. In der Folge wird der Zugang zur Ostukraine für Journalisten stark reglementiert. Viele kommen gar nicht erst rein, im Gegensatz zu Politikern der Linkspartei. Die Folge ist klar. Was an Bildern und Informationen nach außen geht, unterliegt einer gewissen Kontrolle. Das Risiko einer kompletten Eskalation ist sehr hoch, wenn die Menschen beginnen keine Separatisten mehr haben zu wollen.

Ähnliches gilt für das Südchinesische Meer. Die USA sehen sich genötigt Flagge zu zeigen. Daher kocht eine Diskussion hoch, ob es zwischen China und den USA zum Krieg kommt. Derweil wird die Gefahr eins Krieges zwischen China und seinen Anreinern zurückgestuft. Eine nette Geste. Was die US-Militärstrategen hingegen vor ein paar Monaten angekündigt haben, spiegelt sich hier wieder.

A third scenario—an intentional or unintentional military face-off between Russia and one or more NATO member states—appeared for the first time in the survey[..]

Die Formulierung ist interessant, da sie explizit keinen gesamt-NATO-Automatismus enthält.

Under the preliminary agreement, Israel will establish a compensation fund to address the killing by Israeli marines of 10 Turks aboard a pro-Palestinian activist ship that tried to break Israel’s blockade of the Gaza Strip in 2010, the Israeli official said. Turkey would then drop all claims against Israel.

Man könnte auch sagen, dass Erdogan alles wieder auf Null stellt. Er verschmähte die Israelis und wendet ihnen sich nun wieder zu. Er wollte nicht mehr zur EU gehören und verlangt dies nun doch wieder. Er leitete einen Friedensprozess mit den Kurden ein und nun wieder den Kampf. Er suchte die Freundschaft mit Putin und verschmähte sie kürzlich recht eindeutig. Bei diesem erneuten Annäherungsprozess gen Israel geht es natürlich auch um Rohstoffe. Erdgas, um genau zu sein. Israel hat da ein kleines nettes Feld namens Leviathan und größere Probleme Abnehmer zu finden. Die Türkei schien immer die beste Lösung, aber die Beziehungen waren nun fünf Jahre lang auf Eis. In diesem Sinne dient die Besserung nun allen.

Für die USA sind das gute Nachrichten, denn diese Freundschaft war einst ein wichtiger Baustein in der Sicherheitsstrategie. Wie nahe man sich kommt, bleibt allerdings abzuwarten. Die handelnden Akteure sind alle nicht gerade für ihren kühlen Kopf bekannt.

Die größte Kung Fu Schule Chinas

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  • Weihnachts- und Neujahrspause

Aktuelles Spiel

  • Weihnachts- und Neujahrspause

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf die Schlafwandler im deutschen Bürgertum und die Medien.

Update: Den Rest der Woche befinde ich mich auf Reisen, weswegen es hier erst am Montag weitergeht.

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Kommentar

Deutschland ist ein unglaublich aggressives Land. Vielleicht liegt es an der Weihnachtszeit, aber seit ich aus dem Urlaub zurück bin, wirken die Menschen auf mich leicht durchgedreht. Ständig wird geflucht, geschimpft, gerempelt oder beiseite geschoben. Und wenn wir darüber sprechen, welch schlechtes Verhalten mancher auf Facebook, Twitter etc. an den Tag legt, dann sollten wir uns vielleicht auch fragen, warum wir dieses Verhalten auf der Strasse nicht mehr wahrnehmen.

Man ist hier einfach nicht nett und freundlich zueinander. Warum wundern wir uns überhaupt noch über das, was im Netz passiert?

Themen in Beobachtung

Hier werden gerade die Fenster herausgerissen und neue eingesetzt. Das geht noch bis morgen und dann bin ich erstmal wieder unterwegs. Das Lesen fällt mir bei diesem Krach recht schwer, aber ich wollte ohnehin ein paar Gedanken zu Christopher Clarks “Schlafwandler” ausformulieren. Dass sie nun in diese Rubrik hier reinfallen, passt ganz gut.

Das Buch erschien 2012 auf Englisch und am 9. September 2013 auf Deutsch. Zeitlich im unmittelbaren Vorfeld des Maidans in der Ukraine. Hierzulande ein Bestseller, kann man Clark damit eine gewisse Wirkmächtigkeit unterstellen.

Die Schlafwandler ist eines der wenigen Bücher, das es schafft, die Komplexität politischer Entscheidungen abzubilden. Ähnlich wie jedes Individuum unterliegen Politiker Trends in ihrer Wahrnehmung, verbeissen sich in Ansichten und werden schlecht informiert. Sie versuchen zwischen verschiedenen Lagern zu bestehen und formale Befehlsketten entsprechen nicht immer Entscheidungsketten. Unter diesen Aspekten betrachtet, hat Clark ein Meisterwerk abgeliefert.

Im gesamten Buch zieht sich jedoch ein weiterer roter Faden durch, der für Clark selbst nur ein Aspekt des Geschehens ist. Die Medien der damaligen Zeit, die mehr Instrument der Politik waren als das, was wir heute unter Journalismus verstehen. Sie wurden gekauft, in ihnen wurden Ansichten und Meinungen lanciert und sie waren ein nicht unerheblicher Faktor des Geschehens. Nebst all dem, was wir heute Informationskrieg nennen, musste dieser Informationskrieg auch immer auf einen fruchtbaren Boden fallen und das bemerkenswerte an der deutschen Medienskepsis der letzten zwei Jahre war immer, dass sie aus dem Bürgertum herauskam.

Es waren nicht die Dummen, wie gerne behauptet, die das Wort des Unmuts führten. Das Bürgertum, der Hauptrezipient genau solcher Bücher, hatte zeitlich ungünstig ein passendes Werk, das die seit Sarrazin bestehenden “diffusen Gefühle” gegenüber den Medien zum Ausdruck brachte. Sie ausformulierte und ihnen eine Gestalt gab. Anschließend folgte, wie bei Menschen üblich, eine Phase, in der sie die Welt nur noch im Lichte dieser neuen Erkenntnisse sahen.

All das wäre vielleicht weniger problematisch gewesen, wenn nicht zugleich der Maidan, mit anschließendem Krieg in der Ostukraine ausgebrochen wäre. Befördert von Propaganda und auch Fehlern bei Journalisten, wurde aus dem Sehen schnell etwas, gegen das es sich zu wehren galt. Von der Symboli her nicht zu unterschätzen war in jener Zeit auch die Stinkefinger-Geste von Peer Steinbrück im Magazin der Süddeutschen, die dem, was “man sich von Politikern so dachte” ebenfalls einen erweiterten Ausdruck verlieh.

Mit dieser Beobachtung sind wir freilich nicht beim Kern der Probleme, aber bei einem ihrer Beschleuniger angelangt. Ansonsten empfehle ich auch unter allen anderen Aspekten dieses Buch zu lesen. Und zwar unter dem Banner der Heilsamkeit entgegen jeglicher Annahme, irgendwer würde irgendetwas gezielt steuern. Es regieren leider immer nur Trends und Glaubensmuster.

Wenn man Clark liest, könnte man beginnen sich zu wünschen, Journalisten würden sich viel mehr mit Machtblöcken und Verhaltensmustern der Akteure beschäftigen, um dadurch demokratische Entscheidugen viel besser zu ermöglichen.

Diskussionsrunde über Russland

Ich bin ein großer Freund der Interviews von Mehdi Hasan. Gerade bei solchen Themen. Ganz groß ab 15:50 Min.!

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Nächste Buchrezension im Blog

  • Katja Gloger – Putins Welt (Der Berlin Verlag stellte mir netterweise eine Rezensionsexemplar zur Verfügung. Das Buch kommt in die Reihe, da mir mehrere Empfehlungen zukamen. Ich versuche keine Erwartungen hineinzulegen.)
  • Atef Abu Saif – Frühstück mit der Drohne (Über den Krieg in Gaza aus der Erlebnisperspektive eines Bürgers.)

Buch (am Lesen)

  • Christopher Clark – Die Schlafwandler (Was für ein Buch. Wer der Themenlage des Blogs zugeneigt ist, sollte es unbedingt lesen.)

Bücher (zu lesen)

Da ich gerade Christopher Clark lese und die Wichtigkeit erkenne, habe ich die Liste umgeschmissen. Als nächstes daher, und das soll bis nächstes Jahr dann auch erstmal reichen:

  • Herfried Münkler – Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918

Aktuelles Spiel

Weihnachts- und Neujahrspause

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf den ewig gleichen Gedanken über den Internetkommentar. Kleiner Newsmix dabei, nicht dass man noch denken würde die Welt bessert sich.

Der Jemen ist eine Schmuggelroute für Afrikaner, die nach Saudi Arabien sollen. Als ich dieses Bild entdeckte, das leider keinen weiteren Kontext anbietet, stellt sich mir nun die Frage, ob die Route trotz des Krieges weiterhin genutzt wird?

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Kommentar

Sascha Lobo hat ein recht spezielles Problem. Er muss jede Woche einen Text mit Knalleffekt hervorbringen und darf dabei seine Stammleser nicht vergraulen. Das heißt, er muss deren Glaubensideologie bedienen und alles, was er schreibt, in deren Denkwelt einflechten. Sonst verliert er seine Basis und wenn die erstmal fehlt, dann könnte er wie die AfD enden. Als Splitterstück.

Der Internetkommentar ist ironischerweise das Symbol für das vorläufige Ende des Diskurses: Es kommt nur noch auf die emotionale Inszenierung des Moments an. Die spontan gefühlte Wahrheit ersetzt die Wahrheit, die momentane Überrumpelung ersetzt das Argument, der plötzliche Knalleffekt ersetzt die Erkenntnis. Bei einer Diskussion kommt es nicht darauf an, wer argumentativ überzeugt, sondern wer so wirkt, als habe er gewonnen. Der völlig verbogene Internetdiskurs vollendet damit, was das Fernsehen begonnen hatte: Politik nur für den Moment, Politik für Leute ohne Gedächtnis, Politik ohne Verantwortung für Vergangenheit oder Zukunft.

So oder so ähnlich könnte man Lobo jedenfalls wohlwollend betrachtet lesen. Denn es klingt ja immer richtig, was er so schreibt. Zumindest dann, wenn man es aus der Warte “des Netzes” betrachtet. Frauke Petry und Donald Trump stehen demnach gleich für ein ganzes mediales Phänomen, das mit dem Fernsehen begann und sich mit dem Internet durchsetzt. Nehmen wir die These für sich, dann spricht da aber nicht Sascha Lobo sondern Neil Postman. Und von Postman, halte ich nicht sehr viel.

Das Problem von Lobos Gedanken sieht wie folgt aus: Wenn in einem Raum lauter Menschen sind, und diese Menschen alle Reden, dann setzen sich die lautesten Stimmen durch. Um Inhalte geht es nicht, denn je tiefgehender ein Inhalt ist, desto leiser und ausschweifender wird er vorgetragen. Man muss sich konzentrieren. Man kann solcherlei recht gut in der Oper, beim Theater oder auch im Kaffeehaus beobachten. An all diesen Orten aber haben wir die Möglichkeit das Geplärr nicht wahrnehmen zu müssen. Unser Sein definiert sich nicht über das Geplärr, sondern über die Definition dessen, was uns wichtig ist. Das kann Geplärr sein, wenn wir in Gruppen aufgehen und es lieben, mit anderen eins zu sein. Es kann aber auch das Studium der Gedanken Einzelner sein, die wir herausfilterten und dann vielleicht zum Abendessen treffen. In ruhiger Atmosphäre.

Überträgt man das aufs Netz, dann führt man die interessanten Dialoge beispielsweise nicht auf Facebook. Selbst eigentlich gesittete Menschen hauen dort Sachen raus, weil sie mal raus mussten und beschweren sich dann im nächsten Post über die ganzen aufgebrachten anderen Posts. Man sucht sich im Netz für den Diskurs die Nischen, in denen es nicht um die pure Aufmerksamkeit geht.

Hinter all dem steht die Frage, zu was das Netz überhaupt taugt und ist all das denn wirklich mehr, als Selbstversicherung? Denn ein riesiger Raum, bleibt ein riesiger Raum. Allen Filtermethoden zum Trotze, muss man ständig anpassen, damit dieser riesige Raum, in den alle reinplappern, kontrollierbar und somit sinnvoll bleibt. Es gibt an dieser Stelle drei Dinge, die uns zu denken geben sollten:

  1. Medien, die explizit von diesem Raum leben wollen, können sich nur seinen Regeln unterwerfen. An dieser Stelle bedeutet Qualität nur eine quantitative Qualität, also ein Produkt, das den meistmöglichen Menschen gefällt. Der Inhalt spielt keine wirkliche Rolle.
  2. Wahrgenommen wird, wer spricht. Erfahrungsgemäß aber schweigen die meisten Menschen und äußern sich nicht. Man kann das als schweigende Mehrheit deklarieren, die per se böse ist, oder als Part, der aufgrund des aktiven Parts nicht teilnehmen will.
  3. Das Silicon Valley baut seine sozialen Plattform seit Jahren auf der Basis der Bedürfnisse von Jugendlichen auf. Diese gilt es zu erreichen und auf entsprechend viel (bürgerlicher) Unkultiviertheit beruhen die Mechanismen in der Plattformen. Sie sind schon vom Grunde her auf eine Abgrenzung zur Sitte der Erwachsenen programmiert. Dass nun gerade Journalisten sehr affin darauf reagieren, und diesen Kram in die Breite tragen, spricht vor allem auf ein ähnliches Grundhandlungsmuster innerhalb der eigentlichen Berichterstattung.

Wer das aufmerksam gelesen hat, wird gemerkt haben, dass nur vom Internet gesprochen wird. Was in diesen Diskussionen allzuoft vergessen wird, ist die simple Tatsache, dass wir vor dem Internet und auch noch mit dem Internet, immer noch die Ebene der Realität und der Printprodukte haben, die eine ganz andere Art der Diskussion ermöglichen. Sicher, da wird einiges zusammenwachsen, aber wer diesen Diskurs ohne die Realität im Bunde führt, kann auch nur Negatives berichten.

Das eigentliche Thema ist also vielleicht eher im Bereich fehlende Resistenz gegenüber simpelsten Mechanismen anzusiedeln. Wieviel Kind steckt im Erwachsenen oder umgekehrt, wie erwachsen sind Kinder?

Themen in Beobachtung

Genaugenommen scheinen gerade alle ihre Strategie zur See zu überarbeiten. China rüstet auf und beginnt zu agieren. Russland wie auch die EU werfen ihre Kräfte gen Antarktis und die USA, naja, sind vor allem in der Defensive, da sie das abgebende Land sind.

Some perspective is important. The United States has the most technologically sophisticated navy in the world, operating in virtually every corner of the globe. It boasts a total of 272 ships and submarines, along with more than 150 vessels in the reserve fleet. The Chinese navy still lags far behind, but Beijing’s ship-building spree means that it could rank as the second most powerful maritime force by 2020, according to some estimates.

Mir ist zwar klar, dass gerade der “Kampf um die Antarktis” vor allem über die Marine ausgetragen wird, aber warum es nun so wichtig ist, sich mit den Chinesen im Südchinesischen Meer zu messen, konnte mir bisher nicht sonderlich gut nahegebracht werden. Macht ist kein Selbstzweck, auch wenn sie meist so eingesetzt wird. Interessant ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil sie die Budgetverteilung zu Gunsten der Seekräfte verändern könnte. In Zeiten, in denen an Land immer mehr Proxy- und Hybridwars geführt werden, eine eher ungute Entwicklung.

A Yemeni government delegation and representatives of the Shia Houthi rebel group are meeting in the city of Biel for peace talks backed by the UN. The talks are expected to last all week.

Wie lange auch immer der hält. Geplant sind sieben Tage.

Während der IS auf Ölfelder in Libyen vorrückt, ein erstes Zeichen für finanzielle Nöte, versuchte man in Italien auf einer Libyenkonferenz die Fraktionen zu einigen um den Konflikt in den Griff zu bekommen. Dabei geht es natürlich mal wieder um den Stopp der Flüchtlingsbewegung und eine Stärkung der Truppen im Kampf gegen ISIS. Wie zu erwarten, hat es nicht viel gebracht. Die 17 teilnehmenden Staaten sahen sich zu vielen Einzelggruppen gegenüber, die wenig Interesse an Lösungen haben. Wir kennen das bereits aus Syrien.

In Libyen geht es nicht nur um Ölquellen, sondern auch um Schmugglerrouten nach Europa. Eine Besteuerung dieser ist recht lukrativ. Wer da im Groben kämpft:

Die islamistisch ausgerichtete Regierung in Tripoli wird von Katar und der Türkei unterstützt, diejenige in Tobruk von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Der Artikel ist generell lesenswert, wenn man die Krim nicht ganz vergessen möchte. Eine Randnotiz zum Schmunzeln:

In the meantime, Russia has shipped more than 700 mobile generators to Crimea and declared it was ready to transport oil to the peninsula by sea. Notably, Russian authorities have also shipped mobile wide-screen television vans to darkened Crimea to maintain propaganda-rich television broadcasts from Moscow.

Was ist Demokratie?

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  • Christopher Clark – Die Schlafwandler (Was für ein Buch. Wer der Themenlage des Blogs zugeneigt ist, sollte es unbedingt lesen.)

Bücher (zu lesen)

Da ich gerade Christopher Clark lese und die Wichtigkeit erkenne, habe ich die Liste umgeschmissen. Als nächstes daher, und das soll bis nächstes Jahr dann auch erstmal reichen:

  • Herfried Münkler – Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918

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Weihnachts- und Neujahrspause

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf UK und Polen. Bemerkenswert ist hauptsächlich, dass der Druck auf Saudi Arabien steigt. Man legt sich mit ihnen an.

So ein Urlaub ist ja ganz schön, aber die Welt ist derweil nicht besser geworden. “Wo anfangen?” lautet da die große Frage. In Aserbaidschan, Armenien und Serbien. Denn da, so scheint mir, wird gerade eine Entwicklung übersehen oder nur sporadisch betrachtet.

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