Beten für den Drohnenkrieg

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf die Drone Papers und die Hashtagkriege der Internetaktivisten.

Beim Gebet muss alles seine Ordnung.

Kommentar

Momentan lese ich mir die von “The Intercept” veröffentlichten Drone Papers durch und wundere mich etwas über die großspurige Ankündigung. Sie enthalten nicht viel neues und tragen lediglich zur Vertiefung des bestehenden Wissens bei. Merkwürdig ist die ökonomische Argumentation, der man sich argumentativ anpasst. Man rechnet Tote gegeneinander auf und befindet sich damit voll in der Militärlogik, gegen die man zu argumentieren glaubt. Denn so hat The Intercept zwar recht darin, dass mehr “nicht-Ziele” getötet werden als “Ziele”.

He found that drone strikes in Afghanistan were 10 times more likely to kill civilians than conventional aircraft.

Doch rechtfertigt das in der Militärlogik nur die Evolution der Drohnen und ein Mehr an Überwachung, um die Ziele gezielter töten zu können. Eine moralische oder ethische Argumentation wäre sicher besser, wenn auch anspruchsvoller. Denn da würde es zu beweisen gelten, dass der Staat den Rechtsstaat aushebelt und dabei entgegen unserem demokatischen Konstrukt wirkt. Außerdem war da ja noch etwas, namens Menschenrechte. Was uns sorgen sollte, ist das Aushebeln jener, ganz nach belieben.

Unabhängig davon hat Obama scheinbar die Drohnen so eingesetzt, dass er die militärischen Ziele verfolgen und seinen Wählern den Truppenabzug verkaufen konnte. Was The Intercept nur bedingt rausarbeitet, was meines Erachtens aber der Kern ist, ist die Verschiebung des Krieges weg von der Armee, hin zu den Geheimdiensten in Absprache mit dem Pentagon, die dann wiederum auch die eigene Kontrolle durchführen. Fehler und Missstände werden so eher schwerlich aufgedeckt.

Einer der interessanteren Aspekte war die Feststellung, dass die Drone-Kills als ultimative Lösung zugleich auch eine informationelle Sackgasse sind. Im Regelfall ist nach solch einem Schlag niemand da, der weitere Informationen aus Laptops, Mobiltelefonen oder Notizbüchern sammeln kann.

Im Gesamten kann ich die etwas arg ausschweifende Lektüre empfehlen, finde die Gedanken aber teilweise etwas zu “catchy”.

Themen in Beobachtung

Die Geschichte selbst braucht wahrscheinlich niemand mehr zu lesen, um ihren Inhalt zu kennen. Die Vorgehensweise ist bekannt. Jemand befasst sich mit dem Thema Infokrieg und russische Propaganda, in dem davon stark betroffenen Finnland, und wird dadurch zur Zielscheibe eben jener Gestalten, die versuchen ihr das Leben zur Hölle zu machen. Mir fiel beim Lesen allerdings noch etwas auf, nämlich dass die bezahlten Infokrieger sich durchaus verschiedener Instrumente der gesellschaftlichen Gegenwartskämpfe bedienen. Werden Frauen gebasht, wird beispielsweise versucht ein Link zu Gamergate und ähnlichen Dingen herzustellen. Auch fasziniert ein wenig der Gedanke, dass Internetaktivisten, also Menschen die sich einem Thema nur per Internet widmen, ihre Freizeit in den sozialen Netzwerken quasi damit verbringen, gegen bezahlte Informationskrieger anzukämpfen. Jedoch in dem Glauben, dass dies echte Menschen und echte Meinungen wären.

Das heißt, wir müssen Relevanz ganz neu denken. Man sieht beispielsweise an den schwachen Verkaufszahlen des Buches von Anne Wizorek, wie virtuell diese Debatten sind und wie wenig sie sich in das reale Interesse übertragen lassen. Zu Fragen ist also, wie groß die Differenz zwischen Wahrnehmung und Sein ist. Dieser Gedanke knüpft auch unmittelbar an die gestrige Merkeldämmerung an. Denn dieser Diskurs bezieht sich auf Zahlen, die absolut ungenau sind. Aber starke Gefühle hervorrufen. Die wenigstens Deutschen könnten ihre gefühlten Probleme mit der “Flüchtlingslawine” durch reale Erfahrungen unterlegen. Allerdings beobachte ich immer häufiger, dass Themen als Proxy genommen werden. So entstand beispielweise auch meine Kritik an Michael Hanfeld. Er nutzt nun den Standpunkt der öffentlich rechtlichen Medienhäuser, die weitestgehend eine pro-Haltung einnehmen, um “denen” eines reinzudrücken. Die Sache selbst wird aufgrund des eigentlichen Fetischs geopfert.

Was in diesem Gesamtkomplex fehlt, ist eine Instanz, die versucht zu verstehen wer welche Position aufgrund welcher Motivation einnimmt. Diese Metadebatten interessieren gewohnheitsmäßig weniger Menschen als die eigentlichen Debatten, in denen es wesentlich emotionaler zugeht. Der Anreiz, sich damit zu beschäftigen, ist für Medienkritiker entsprechend gering, zumal sie selbst betroffen wären. Dich Wichtigkeit ergibt sich jedoch aus dem Thema Infokrieg, das aus dem generellen Streben dritter Akteure entspringt, Diskurse zu kapern. Dazu gehören ebenso Aktivisten wie der Bereich Marketing.

Mit Volker A. hat Uwe S. im Sommer 2006 eine „Unrechtsvereinbarung“ geschlossen. Fortan traten sie immer als Pärchen auf. Wenn Uwe S. verdiente, verdiente auch Volker A. Nur dass der erste Teil eine legale Provision und der zweite Teil eine illegale Schmiergeldzahlung war.

Für mehr Gerichtsreportagen, denn an ihnen kann man diese Gesellschaft recht gut beleuchten und verhandeln.

Vor nicht allzulanger Zeit waren die Bankerboni noch eines der wichtigsten Themen überhaupt. Jetzt wird still und leise alles im Sinne aller geregelt.

Inside the Battle: Al Nusra-Al Qaeda in Syria

Immer wieder faszinierend, wie überzeugt sie alle ihre Sprüchlein aufsagen.

Nächste Buchrezension im Blog:

  • Atef Abu Saif – Frühstück mit der Drohne (Über den Krieg in Gaza aus der Erlebnisperspektive eines Bürgers.)

Buch (am Lesen):

  • Ray Bradbury – Fahrenheit 451 (Für mich dann abschließendes Werk aus der (Gegenwartsdystopie-Reihe.)

Bücher (zu lesen):

  • John Lloyd & Laura Toogood: Journalism and PR (Auf die Studie stieß ich durch einen Artikel in der NZZ und einige Thesen klangen verheißungsvoll.)
  • Wendy Brown auch endlich ein Buch in Deutschland veröffentlichen darf. Lange genug hat es gedauert und ich habe an verschiedenen Stellen dafür geworben, da sie eine der schärfsten Beobachterinnen unserer Zeit ist.)
  • H.D. Thoreau – Essays (Nur wegen Trudeau, den viele mit Thoreau verwechseln.)

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