Die Türkei findet in Israel einen neuen alten Freund

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf gesäte Ideen und die neu entdeckte alte Freundschaft zwischen Israel und der Türkei. Außerdem gibt es 36.000 Kinder zu sehen.

Die Wintersonnenwende droht.

Kommentar

2015 scheint mir, vom Ende her betrachtet, ein Jahr der Saat.

Der IS konnte seine Idee in vielen Ländern dieser Welt verbreiten und die Konsequenz daraus werden wir erst in der Zukunft sehen. Ein Phänomen scheint die “Selbstradikalisierung” zu sein. Gemeint sind Menschen, die diese Saat als Anlass nehmen um selbst zu Mördern zu werden. Damit umzugehen, wird eine größere Aufgabe, zumal hier auch ganz klar die Freiheitsrechte in unseren westlichen Gesellschaften zur Disposition stehen. Meiner Beobachtung nach ist das sonderbare an dieser Freiheitsbeschneidung, dass sie zu mehr Überforderung bei unseren Sicherheitsdiensten führt. Mehr Daten braucht mehr Personal, das kostet mehr Geld und das wiederum ist nur schwer zu erlangen. Die größte Verschiebung scheint aber, dass vielen Ländern der westlichen Hemisphäre gewahr wird, dass sie selbst in das Spiel um Informationen und Spionage einsteigen müssen. Was mE allseitig übersehen wird, ist, dass dies zu einer gewissen Aufrüstung in vielen nicht sichtbaren militärischen und informationellen Bereichen führt.

Auch Phänomene wie Pegida und die AfD haben durch das Treiben des IS einen Aufschwung und, wie mancher befürchtet, eine Verankerung im politischen System Deutschlands, erlebt. Formulierte Ängste aus diesen Kreisen bekamen Nahrung und eine scheinbare Realität. Es brauchte nur der Verknüpfung mit dem Islam um die Legitimation zu erringen. Aber auch hier wird meinem Dafürhalten nach etwas fundamentales übersehen. Die Nutzung eines Themas mit allseitiger Aufmerksamkeit, um sich selbst überhaupt artikulieren zu können. Es lohnt sich durchaus, zu Diskussionen in den Osten zu fahren und die Leute reden zu lassen. Sie nehmen nahezu jeden Anlass dafür, ihren allgemeinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Das Thema ist fast egal und so sonderbar es klingen mag, aber die Einheit ist in den Köpfen des Osten noch immer nicht verdaut und sorgt für viel Frust.

Die Saat des IS beschränkt sich damit nicht nur auf den Terror, der durch sein Gefolge herbeigeführt wird, sondern vielmehr auf das staatliche und gesellschaftliche Verhalten.

Eine Idee ganz anderer Art kam durch Griechenland nach Europa. Austerität ist kein Selbstzweck und nicht zwingend sinnvoll. Zwar hat Tsipras mit Syriza die Schlacht gegen das Spardiktat durch ein von Deutschland angeführtes Europa verloren, aber keineswegs ist die Idee damit aus der Welt. Auch in Spanien und Portugal wendet man sich wieder mehr gen Links und bezweifelt, dass alles in Stein gemeißelt ist, was die Menschen darniederdrückt.

Und auch die Flüchtlinge selbst, sind eine Saat, die in Europa viel bewegen werden. Einmal mehr geht es um Werte und Wertigkeiten. Aber auch um Strukturen. Wir sehen gerade, wo Strukturen versagen und können uns aktiv damit beschäftigen dieses Versagen zu beheben. Oder als Gesellschaft unseren kulturellen Blick wieder weiten, weniger selbstbezogen schauen und agieren.

Themen in Beobachtung

  • Konflikte in 2016 (The Atlantic)

Another worry appeared for the first time in the survey: “political instability in EU countries stemming from the influx of refugees and migrants, with heightened civil unrest, isolated terrorist attacks, or violence against refugees and migrants.” And this judgment was made before ISIS’s November attacks in Paris; the survey concluded the day of the rampage.

Zum Glückt sorgt man sich um uns. Interessanter ist die Herabstufung.

Two contingencies were downgraded from high to medium priorities between this year’s survey and last year’s, even though hostilities in eachcase are still pronounced: an armed confrontation between China and its neighbors over territorial disputes in the South China Sea, and an escalation in fighting between Russian-backed militias and Ukrainian security forces in eastern Ukraine.

Im Gegensatz zu den US-Sicherheitsbehörden habe ich nicht den Eindruck, dass der Waffenstillstand in der Ostukraine hält. Zumal die Separatisten ein ganz neues Problem haben. Die Menschen werden unzufriedener und äußern dies auch. In der Folge wird der Zugang zur Ostukraine für Journalisten stark reglementiert. Viele kommen gar nicht erst rein, im Gegensatz zu Politikern der Linkspartei. Die Folge ist klar. Was an Bildern und Informationen nach außen geht, unterliegt einer gewissen Kontrolle. Das Risiko einer kompletten Eskalation ist sehr hoch, wenn die Menschen beginnen keine Separatisten mehr haben zu wollen.

Ähnliches gilt für das Südchinesische Meer. Die USA sehen sich genötigt Flagge zu zeigen. Daher kocht eine Diskussion hoch, ob es zwischen China und den USA zum Krieg kommt. Derweil wird die Gefahr eins Krieges zwischen China und seinen Anreinern zurückgestuft. Eine nette Geste. Was die US-Militärstrategen hingegen vor ein paar Monaten angekündigt haben, spiegelt sich hier wieder.

A third scenario—an intentional or unintentional military face-off between Russia and one or more NATO member states—appeared for the first time in the survey[..]

Die Formulierung ist interessant, da sie explizit keinen gesamt-NATO-Automatismus enthält.

Under the preliminary agreement, Israel will establish a compensation fund to address the killing by Israeli marines of 10 Turks aboard a pro-Palestinian activist ship that tried to break Israel’s blockade of the Gaza Strip in 2010, the Israeli official said. Turkey would then drop all claims against Israel.

Man könnte auch sagen, dass Erdogan alles wieder auf Null stellt. Er verschmähte die Israelis und wendet ihnen sich nun wieder zu. Er wollte nicht mehr zur EU gehören und verlangt dies nun doch wieder. Er leitete einen Friedensprozess mit den Kurden ein und nun wieder den Kampf. Er suchte die Freundschaft mit Putin und verschmähte sie kürzlich recht eindeutig. Bei diesem erneuten Annäherungsprozess gen Israel geht es natürlich auch um Rohstoffe. Erdgas, um genau zu sein. Israel hat da ein kleines nettes Feld namens Leviathan und größere Probleme Abnehmer zu finden. Die Türkei schien immer die beste Lösung, aber die Beziehungen waren nun fünf Jahre lang auf Eis. In diesem Sinne dient die Besserung nun allen.

Für die USA sind das gute Nachrichten, denn diese Freundschaft war einst ein wichtiger Baustein in der Sicherheitsstrategie. Wie nahe man sich kommt, bleibt allerdings abzuwarten. Die handelnden Akteure sind alle nicht gerade für ihren kühlen Kopf bekannt.

Die größte Kung Fu Schule Chinas

Nächste Buchrezension im Blog

  • Katja Gloger – Putins Welt (Der Berlin Verlag stellte mir netterweise eine Rezensionsexemplar zur Verfügung. Das Buch kommt in die Reihe, da mir mehrere Empfehlungen zukamen. Ich versuche keine Erwartungen hineinzulegen.)
  • Atef Abu Saif – Frühstück mit der Drohne (Über den Krieg in Gaza aus der Erlebnisperspektive eines Bürgers.)

Buch (am Lesen)

  • Herfried Münkler – Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918

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