Über Preisblasen und Menschenhandel

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf den Missbrauch der Jesiden durch den IS und chinesisch-amerikanische Preisblasen. Es dreht sich alles um Geld, selbst beim Stromausfall auf der Krim.

Da ich mit meinen Buchrezensionen nicht hinterkomme, werden die mir weniger wichtigen Bücher künftig im täglichen Format in kurzer Form abgehandelt. Die mir wichtigen Buchbesprechungen kündige ich wie gehabt ganz unten an und lasse sie dann bei Gelegenheit als ausführlichen Einzelpost folgen. Da ich am Wochenende zwei Bücher gelesen habe, geht es heute sogleich mit zwei kurzen Besprechungen los.

Stromausfall auf der Krim.

Bücher: Kurzbesprechung

Wer einst in der DDR wohnte, wird einen gewissen Humor gewohnt sein, mit dem die Bürokraten und Verwalter des sozialistischen Staates bedacht wurden. Zu kritisieren gab es seinerzeit ebensoviel wie heutzutage. So ziemlich genau dieser Humor steckt in den Geschichten von Ilf und Petrow, nur dass sie sich über das Imperium Stalins belustigen. Locker geschrieben, liest es sich ratzfatz weg und gibt dabei einen ausgiebigen Überblick über die Schlupflöcher des Systems und den Menschen höchstselbst. Gelegentlich mit Happy End.

In der Gegenwart würde man Theoreau einen Wutbürger nennen. Ich würde noch Hinterwäldler hinzufügen, denn seine teilweise ganz netten Ansichten über das gegenüber dem Staat wehrhafte Individuum sind durchsetzt von diffusen Gefühlen und brachialen, neudeutsch neoliberalen, Gelüsten. Im Heute gedacht, würde gemäß Thoreau der Staat aus Crowdfunding bestehen. Jeder zahlt, was er nutzt. Wobei das nur ein gefühltes Nutzen ist. Wenn jemand der Meinung ist, er nutze etwas nicht, auch wenn er es ihm nütze, dann müsste er sich dem Staat auch widersetzen, sprich keine Steuern zahlen.

Es mag ja sein, dass Thoreau dem Leben im Wald eine verbale Ausdrucksnote verpassen mochte, aber warum Ghandi auf diesen Kram so abgefahren sein soll, ist mir vollkommen unverständlich. Vielleicht denke ich ja zu europäisch, aber mein Denkansatz ist eher der, die Verantwortung des Individuums in den Mittelpunkt des Denkens zu stellen und nicht die Suche danach, wie sich das Individuum der Verantwortung entziehen kann. Wohin Thoreaus Ansatz führt, kann in den USA betrachtet werden. Eine ärgerliche Zeitverschwendung auf 80 Seiten.

Themen in Beobachtung

Was für ein Interview.

Geisler: Es zerreißt ihnen das Herz. Das können Sie sich ja vorstellen. In meinen Gesprächen mit diesen Angehörigen bekomme ich oft zu hören, ich wünschte, dass meine Ehefrau, dass meine Töchter tot sind, damit sie genau das nicht erleiden müssen. Und diesen Menschen ist auch allen klar: Wenn diese Frauen befreit sind, sind sie nicht frei, sondern sie werden – das habe ich ja vorhin schon mal gesagt – im Kopf, im Geist, im Herzen einfach krank sein.

Bis zu 40 Vergewaltigungen am Tag und ähnliche Grausamkeiten. Wie soll man damit noch umgehen? Zu prüfen wäre seine Aussage, dernach Armeeeinheiten die Chance zur Befreiung der Geiseln nicht nutzten. Sicher aus irgendwelchen taktischen und strategischen Überlegungen heraus, die ich an dieser Stelle aber komplett anzweifeln würde. Denn wenn wir nicht mehr für die Menschen kämpfen, sondern nur noch um Versorgungsrouten, wofür kämpfen wir dann?

  • Weitere Eskalation in der Ukraine

Der rechte Sektor und die Krimtataren haben die Stromleitungen der Ukraine in die Krim gekappt und die von Russland annektierte Region damit vom Netz genommen. Der Notstrom deckt höchstens ein Drittel des benötigten Stroms ab. Der zuständige ukrainische Stromkonzern versprach eine Reparatur binnen weniger Tage und Russland hat als unmittelbare Reaktion die Kohlelieferungen an die Ukraine eingestellt.

So clever wie es zunächst scheint ist die Aktion nicht. Der Ukraine entgehen Einnahmen, die sie dringend benötigt um die internationalen Geldgeber bei Laune zu halten. Außerdem muss man sich mit Russland über das weitere Verfahren in Bezug auf einen 3 Mrd-Kredit einigen. Derweil kocht in der Ost-Ukraine weiter die Lage hoch und auf diesem Wege wird die Glaubwürdigkeit der Ukraine geschmälert. Und auf Kohleimporte ist die Ukraine ebenfalls angewiesen, auch wenn die Lage für eine gewisse Zeit ausreichen sollten.

Auf der Krim nennt man das alles Terrorismus und die Krim-Tataren dürften nun wissen, was auf Basis dieser rechtlichen Einschätzung folgt. Kurz vor diesem Akt, dessen rechtliche Einschätzung mir schwer fällt, hat Poroschenko versprochen die Stromverträge mit der Krim neu auszuhandeln. Es würde mich aber wundern, wenn sie nicht im Topf der Minsk-Verhandlungen als Nebenabsprache mit drin wären.

Auch wenn ein Journalist und unpatriotische Anleger für den Crash in China verantwortlich waren, scheint man dort nun zu der Erkenntnis gelangt, dass Preisblasen auch nicht so toll sind und unternimmt etwas gegen sie. Künftig darf man nur noch Leihen in Höhe des Eigenkapitals vornehmen. Dieser an für sich sinnvolle Schritt hat einen Nachteil. Zuvor lag die Anforderung bei 50% (=4fache), nicht bei 100% (=1fach) und dementsprechend müssen einige Anleger ihre Positionen zurückfahren. Der Markt wird also belastet.

“It really is a confusing sign if you consider that the Chinese for months had tried to stabilize equity markets,” Patel said from Birmingham, Alabama. “The two-way risk means the Chinese markets and Chinese investors in general are unlikely to kind of pile in to assets wholeheartedly, it’s going to be more of a two-way flow.”

Im Rahmen einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung halte ich Wertpapierkredite ohnehin für unnütz, da sie (Sachwerte-)Preise hochtreiben und zu Folgekrediten führen, die dann auch nur wieder (Sachwerte-)Preise treiben. In der Realwirtschaft landet davon wenig, denn so viele Neuemissionen und Kapitalerhöhungen gibt es dann auch nicht, über die Unternehmen einen Teil des Kapitals abgreifen können. Der Schritt ist mE also sinnvoll und überfällig.

In diesem Zusammenhang nicht unwichtig ist auch der Blick in die USA. Hier fallen die Preise für Start-UPs munter weiter. Noch findet man das alles recht angenehm, weil dies zeige, wie gut der Markt funktioniert. Vermutlich fallen sie aber auch deswegen, weil die FED ihre Zinserhöhung bisher weiter recht robust ankündigt. Entgegen jedem Zweifel, der sich vor allem aus sinkenden Preisen nährt. Rohstoffe wären hier ein starkes Thema.

Derweil steigt der Dollar, was einen ähnlichen Effekt zur Grundlage hat. Die EZB hat angekündigt, dass es viele und Möglichkeiten des Stimulus gibt, die man auch gedenkt anzuwenden, sofern das notwendig sei. Während China lahmt und Europa nicht auf die Beine kommt, führt die FED eine Ausstiegsstrategie zu Ungunsten der US-Wirtschaft. Man traut ihr das im Markt nicht zu, was die FED wiederum zum Durchziehen zwingt um ihre eigene Glaubwürdigkeit zu erhalten.

2016 wird ein hartes Jahr für Geldpolitiker in den USA, Europa und China. Klick um zu Tweeten

Myanmar

Nächste Buchrezension im Blog

  • Katja Gloger – Putins Welt (Der Berlin Verlag stellt mir netterweise eine Rezensionsexemplar zur Verfügung. Das Buch kommt in die Reihe, da mir mehrere Empfehlungen zukamen. Ich versuche keine Erwartungen hineinzulegen.)
  • Atef Abu Saif – Frühstück mit der Drohne (Über den Krieg in Gaza aus der Erlebnisperspektive eines Bürgers.)

Buch (am Lesen)

  • Ilija Trojanow und Susann Urban – Durch Welt und Wiese oder Reisen zu Fuß (

Bücher (zu lesen)

  • John Lloyd & Laura Toogood: Journalism and PR (Auf die Studie stieß ich durch einen Artikel in der NZZ und einige Thesen klangen verheißungsvoll.)
  • Wendy Brown auch endlich ein Buch in Deutschland veröffentlichen darf. Lange genug hat es gedauert und ich habe an verschiedenen Stellen dafür geworben, da sie eine der schärfsten Beobachterinnen unserer Zeit ist.)
  • Navid Kermani – Zwischen Koran und Kafka: West-östliche Erkundungen (Kermani mag ich sehr, weil er versucht die Welten zu verbinden und genau das ist es, was auch wir hier viel mehr brauchen.)

Aktuelles Spiel

  • Fallout 4 (Die ersten 6h haben mich nur bedingt überzeugt. Gleichwoh, ich brauche auch immer so meine 10h, um mit solchen Welten warm zu werden. )

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