Über die Ermordung Baby-Hitlers

Der tägliche Blick auf die Welt richtet sich heute auf die Ermordung Baby-Hitlers. Außerdem werden die Algorithmen von Facebook bekümmert und es wird auf gierige Bundestagsabgeordnete hingewiesen.

Und so sah Baby-Hitler aus.

Schon gewusst?

Das Bundespresseamt hat einen recht unbekannten Geldtopf, der für Abgeordnete 24 Millionen Euro jährlich fasst. Sie könenn damit Menschen nach Berlin einladen. Auf Kosten der Steuerzahler, inklusive Stadtrundfahrt. Natürlich alles nur für politisch Interessierte und niemals im Sinne der eigenen Parteisache.

Kommentar

Wie immer, wenn diese Frage in einem größeren Rahmen gestellt wird, entsteht daraus eine kleine Debatte. Und fast jedes mal wundere ich mich, wie man in der Lage sein kann alle erdenklichen ethischen Abwägungen zu dem Thema vorzubringen, aber nicht auf den Gedanken zu kommen, dass die Frage eigentlich lautet:

Wären Sie bereit für die Ermordung Baby-Hitlers die Existenz der momentanen Menschheit auszulöschen?

Wir wissen nicht, ob durch die Ermordung Baby-Hitlers der zweite Weltkrieg weniger blutig verlaufen wäre. Es wäre aber alles anders gekommen, anders abgelaufen. Was wir dadurch definitiv wissen, ist, dass wir mit seiner Ermordung unsere eigene Existenz auslöschen würden. Denn die Fluchtbwegungen des Krieges wären anders verlaufen, es hätten sich also andere Paarungen ergeben und wenn doch gleiche, dann vielleicht zu einer anderen Zeit. Wir, wie wir hier sind, wären nicht mehr da. Weder körperlich noch im Sinne unserer Prägung und Erfahrung.

Mit der Ermordung Baby-Hitlers würde man also die Menschheit vernichten, wie sie momentan existiert. Auch sich selbst. Erst hier offenbart sich das eigentliche Dilemma unseres Handelns, denn durch dieses ergibt sich eine ständige Veränderung der Zukunft. Menschliches Sein ist damit automatisch immer auch Abschaffung oder gar Vernichtung einer Zukunft, die wir nicht kennen. Die uns aber auch nur berühren würde, wenn sie uns beträfe. Das Paradox an Personen wie Hitler ist, dass ihr Handeln aus genau diesem Wissen heraus entstand, denn sie gedachten eine Zukunft gemäß ihren Vorstellungen zu formen. Daran scheiterten sie, aber aus diesem Versuch heraus und durch ihr Scheitern, wurde die Existenz derer, die wir hier sind, erst möglich.

Nein, man tötet Baby-Hitler nicht. Denn wenn die Menschlichkeit etwas auszeichnet, dann ist es der Faktor der Evolution. Über Jahrtausende hinweg, aus denen vielleicht irgendwann Jahrmillionen werden, können Menschen ihre Gesellschaften weiterentwicklen und verbessern. Eben nicht zu Hitler werden, sondern aus diesen Exzessen der Vorfahren lernen. Unabhängig von der Selbstvernichtung: Eine Gesellschaft, der durch Begradigung aus der Zukunft heraus, das Lernen genommen wurde, könnte das dadurch nicht-mehr-gelernte schlimmstenfalls nur Wiederholen.

Themen in Beobachtung

In keinem OECD-Land arbeiten weniger Menschen mit Migrationsgeschichte im öffentlichen Dienst als in Deutschland. Im Bundestag sind es 5 Prozent. Verwaltung und Politik sind, bei aller Internationalität der Großstädte, weitgehend migrantenfreie Zonen. Die Menschen, die jetzt kommen, zeigen die Herausforderung eines Einwanderungslandes wie durch ein Brennglas: Identität? Gemeinschaft? Werte? Diskurs? Teilhabe? Chancengerechtigkeit? All das.

Und das Problem ist weiterhin, dass es die Mitte ist, die diesen Diskurs verweigert. Die ernsthaft glaubt, durch solche Gedanken allein schon zum Nazi zu werden. Das Schöne ist nun, dass spätestens durch Griechenland klar wurde, dass man in Deutschland eben doch nicht so europäisch ist, wie man immer behauptet hat. Man will ein Europa nach deutschen Regeln und das läuft nun zusammen mit der Frage nach der Identität innerhalb des eigenen Landes. Wir sind amüsiert.

Vor kurzem las ich, dass Facebook beginnt Instagram zu monetiseren. Das Ganze läuft, so die Aussage, wie auch bei Facebook selbst. Erst bietet man den großen Marken an sich kostenlos auf der Plattform breit zu machen und dann wird man sie irgendwann abkassieren. Das Abkassieren funktioniert ungefähr so, dass Facebook seine Algorithmen so einstellt, dass jeder der eine Seite betreibt, einen hohen Anreiz hat Geld dafür zu bezahlen, dass seine Verbreitung gewährleistet ist. Plötzlich gibt es einen Einbruch und dann zahlt man Geld.

Nun hat das sympathische kürzlich Unternehmen beschlossen, immer mehr Content auf seiner eigenen Seite darstellen zu wollen. Nicht mehr Links sind trumpf, sondern sogenannte Instant Articles, die dann in der Facebook-App gelesen und auch besonders schnell aufgerufen werden können. Just in diesem Moment brechen die Weiterleitungen von Facebook auf die großen Publisher-Seiten ein und so entsteht ein großer Anreiz dieses neue Angebot von Facebook in Anspruch zu nehmen. Um den Spam von Buzzfeed mag es nicht schade sein, aber die zeitliche Auffälligkeit ist etwas zu groß für einen Zufall.

It found that The Huffington Post’s Facebook traffic fell 60.1 percent, to 16 million. Fox News’ dropped 48.2 percent to 4.3 million. BuzzFeed’s Facebook visits fell 40.8 percent to 23.7 million.

Da Facebook die Werbung in seinem Umfeld komplett selbst übernimmt, dürfte die größte Folge dieser Entwicklung sein, dass die Verlage dieses Geschäft an Facebook abgeben. Während also vor allem Journalisten jammern, könnte es eher Agenturen und Verlagsabteilungen treffen.

Alles Lüge oder was?

Eigentlich weiß man das alles. Es wird also keine Vertiefung herbeigeführt. Und so richtig an den Kern das Problems mag die Doku auch nicht gehen. Denn Propaganda und das Spiel mit den Bildern ist keine Neuigkeit. Zur Auffrischung, dafür taugt sie. Und schon die erste Szene ist doch höchst sonderbar. Denn seit wann werden durch einen Schuss in einen Körper große Rauchwolken erzeugt? Und die Art der Kommentierung im Hintergrund. Mei, wer glaubt so etwas? Ich bin unzufrieden.

Aber gut, für die Leute die voll empathisch alles mögliche, bevorzugt revolutionäre, auf Twitter und Facebook teilen, mag das hilfreich sein.

Nächste Buchrezension im Blog:

  • Atef Abu Saif – Frühstück mit der Drohne (Über den Krieg in Gaza aus der Erlebnisperspektive eines Bürgers.)

Buch (am Lesen):

  • Ray Bradbury – Fahrenheit 451 (Für mich dann abschließendes Werk aus der (Gegenwartsdystopie-Reihe.)

Bücher (zu lesen):

  • John Lloyd & Laura Toogood: Journalism and PR (Auf die Studie stieß ich durch einen Artikel in der NZZ und einige Thesen klangen verheißungsvoll.)
  • Wendy Brown auch endlich ein Buch in Deutschland veröffentlichen darf. Lange genug hat es gedauert und ich habe an verschiedenen Stellen dafür geworben, da sie eine der schärfsten Beobachterinnen unserer Zeit ist.)

9 comments

  1. (Offtopic) Haben Sie schon von dieser Ausstellung* gehört und vielleicht sogar schon ins Visier genommen? Da würde mich, falls Sie dort mal einen Besuch abstatten, ein Bericht freuen, ob sich das lohnt.

    *http://www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=37401&article_id=134989&_psmand=184

    1. Jetzt geht es auch bei mir. hmm
      Dieses Jahr schaffe ich das auf keinen Fall. Nächstes Jahr versuch ichs mal, auch wenn Ausstellungen nicht wirklich mein Metier sind.

      P.S. : “Wir” von Samjatin habe ich zwar mittlerweile gelesen, aber mit Rezensionen hänge ich heillos hinterher.

    2. Oh, da bin ich auf Ihre Rezension gespannt, freut mich ja, dass Sie es gelesen haben, aber bitte, sie kommt wann sie kommt. Ihre Schlagzahl an Besprechungen ist ja ohnehin sehr beeindruckend, ich komme da kaum mit dem Lesen der Bücher hinterher, die ich hier aufschnappe. Ich sehe ja auch immer unter dem Tagesartikel, was Sie gerade lesen bzw. welche Bücher demnächst anstehen. Das Gloger Putinbuch liegt hier auch schon, aber ich komme einfach nicht dazu, von Hubert Seipel, der ihn ja mehrfach und ausführlich für die ARD interviewt hat, gibt es über Putin mittlerweile auch ein Buch. Herrje, soviele Bücher, sowenig Zeit!

      Die 70er Ausstellung wäre für mich eine Art Erinnerungsausstellung, was erkenne ich wieder usw., sofern es lediglich auf solche Exponate bzw auf solche Weise beschränkte, wäre es für mich nicht ganz so interessant. Hingegen ein Abgleich im Hinblick auf Entwicklung von auch Kapitalismusentwicklung anhand konkreter Beispiele (Exponate) vielleicht schon eher. Wie “Putzig” wirken die dort exponierten Prilblumen z.b. im Vergleich zur heute straff durchmarketingorganisierten und -optimierten Werbewelt.
      Und wie wirkt das auf Sie, der Sie eine Dekade später in einem anderen System aufgewachsen sind. Vielleicht ist es aber auch bloß eine BRD-Nostalgieausstellung, die nicht weiter lohnt.

      1. @Seipel: Von dem Herrn sah ich nach Lesen der Einführung ab, zumal ich diverse Implikationen habe, dass da eine gewisse Kremlnähe vorliegt. Damit tue ich mich insofern schwer, als dass mir die Sicht des Kremls ja bereits bekannt ist. :o)

  2. Offenbart die Babyhitler-Fragestellung als solche erschreckenderweise nicht gerade genau die Sündenbocksucher- und Mitläufermentalität, auf die Hitlers Macht sich gründete?

    Folge Ihren Gedanken und Verweisen inzwischen seit ein paar Wochen, wenn auch unregelmäßig. Vielen Dank für zahlreiche Anregungen!

    1. Eigentlich kommt die Frage aus der Philosophie und dient dazu auf zugespitzte Weise die Frage zu behandeln, ob wir in die Zukunft eingreifen sollten oder nicht.

      Immer wenn sie dann gestelltn wird, offenbaren sich aber recht spezielle Ansichten einzelner Menschen und das macht die Frage dann doch wieder für die Allgemeinheit interessant.

      Jeb Bush würde beispielsweise Baby Hitler töten wollen und daraus dreht man ihm nun einen Strick bei der Abtreibungsdebatte.
      http://www.newstatesman.com/politics/media/2015/11/jeb-bush-says-he-would-kill-baby-hitler-landing-republican-stance-abortion

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