Droht ein Krieg zwischen China und den USA?

Heute geht es um die Fragen der Moral in Syrien und Afghanistan, was Putin dazu trieb in Syrien einzugreifen und ob uns wirklich ein Krieg zwischen den USA und China droht.

Was lesen?

Die werte Sham Jaff pflegt einen wöchentlichen Newsletter, der das Wichtigste der vergangenen Woche kurz und knapp zusammenfasst. Der Fokus liegt nicht selten auf Meldungen abseits dessen, was die deutsche Allerweltspresse im Fokus hat.

Schon gewußt?

Den Fraktionen im Bundestag droht eine Erhöhung der Geldleistungen um 0,69%.

Kommentar

Momentan liegen zwei Ereignisse vor, die aufzeigen, wie unterschiedlich “der Westen” und Russland mit Geschehnissen umgehen.

  1. Tote Zivilisten in Syrien nach russischen Luftschlägen in Syrien.
  2. Tote Zivilisten nach einem Luftschlag der USA im afghanischen Kundus.

Im ersten Fall ist das Statement der Russen: Das ist der Informationskrieg unserer Gegner, darauf waren wir eingestellt. Es liegen uns keine Informationen vor, die das bestätigen. Anschließend veröffenlichte man angebliche Belege für die eigene Unschuld. Bellingcat hat sich diesen gewidmet und kam zu anderen Ergebnissen als die russischen Militärs.

Im zweiten Fall räumt das US-Militär einen möglichen “Kollateralschaden” ein und untersucht den Vorfall. Nun reibt man sich an dem Begriff “Kollateralschaden”, ich würde aber noch einwenden wollen, dass es solche Begriffe auch deswegen gibt, damit die Soldaten nicht irgendwann psychisch zusammenklappen. Die Zivilgesellschaft und das Militär werden diesbezüglich verbal nur schwer zusammenkommen. Obama nannte den Vorfall anschließend einen “tragischen Zwischenfall“.

Wenn man bereits soweit ist, dass man dem Aufwiegen der Moral des einen Falles gegenüber dem anderen Fall frönt, dann ist es naheliegend, dies auch richtig zu betreiben. Der Punkt geht also an den Westen, oder? Natürlich wird sich auch im Westen niemand leicht tun, den Fehler einzugestehen. Aber genau dafür haben wir die unzensierte Öffentlichkeit und Journalisten.

Im iranischen Khabar TV hat Assad derweil verkündet, dass er seinen Posten aufgeben würde, wenn er der Meinung wäre, dass dies hilfreich sei. Aber nicht solang, wie der Westen Terroristen unterstützt. Also die Rebellen, die Assad aus dem Amt jagen wollen. Er wird also gar nichts tun. Was mich an diesem Wochenende jedoch wesentlich mehr beschäftigt hat, war die Frage, warum Putin in Syrien auf einmal so aggressiv vorgeht. Dabei fand ich folgenden Hinweis in einem Artikel im Lettre.

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Wer sich den Lettre nicht kaufen mag, findet diesen Artikel in englisch auch bei London Review of Books. Inhaltlich ist es historisch recht interessant zu lesen, aber für die Meinung fehlt mir irgendwie die Herleitung, daher wirkt sie auf mich diffus. Hugh Roberts will offensichtlich sehen, was er sehen will. Der Artikel des Telegraph, auf den Bezug genommen wird, wiederum ist hier nachzulesen.

Das ist so ziemlich genau das, was Putin gerne aus seiner Lebensgeschichte erzählt. Einst jagte er eine Ratte und als er sie in die Enge trieb, bäumte sie sich auf und jagte den damals noch kleinen Putin. Genau so verhielt sich Putin in der Ukraine und auch jetzt, in Syrien, ist das Handeln nicht anders. Man wähnt ihn in der Ecke und dann dreht er den Spieß einfach um. Man fragt sich nur, warum die westlichen Diplomaten solcherlei nicht berücksichtigen, sondern genau dieses Handeln bedienen. Als Antwort darauf, fällt mir nur eine rationale Lösung ein: sie denken zu sehr in ihrer eigenen Welt.

Eine traurige Wahrheit ist, dass Putins Verhandlungsposition sich dadurch verbessert, dass der Westen Assad loswerden möchte. Hollande, Cameron, Obama und Erdogan betonen dieses Loswerden, aber irgendwie auch immer nur das. Dadurch schwächen sie momentan die Position des Westens.

Themen in Beobachtung

Dass es im Südchinesischen Meer zwischen den USA und China kracht ist auch hierzulande nicht ganz neu. Obama hat sich nun entschlossen Flagge zu zeigen. Man will in der Nähe der von China künstlich errichteten Inseln patroullieren. Was genau damit gemeint ist, lässt die USA noch offen, aber das Handeln folgt wohl der Maxime, dass man “dem Chinesen” gegenüber Stärke zeigen müsse. In diesem Zusammenhang ist die Untersuchung des Belfere Center recht spannend, denn es geht weniger um die strategischen Aspekte und wer nun was zu tun habe, sondern um die simple Frage, wie oft und unter welchen Umständen es zwischen einer aufstrebenden und einer sich schwächenden Macht zu einem Krieg gekommen ist. In 12 von 16 Fällen kam es zum Krieg. Die gute Nachricht jedoch ist, dass die letzten drei Fälle nicht zu Krieg führten. Es besteht also Hoffnung für das 21. Jahrhundert.

In fact, in 12 of 16 cases over the last 500 years in which there was a rapid shift in the relative power of a rising nation that threatened to displace a ruling state, the result was war. As the table below suggests, the struggle for mastery in Europe and Asia over the past half millennium offers a succession of variations on a common storyline.

Was mir adhoc aufgefallen ist, ist die fehlende Unterscheidung der Entfernung. Ein Konflikt führt sich leichter, wenn man benachbart ist und sich auf der selben Landmasse befindet. Beim Mauerfall könnte man nun argumentieren, dass sich die Fronten doch klar Aug in Aug gegenüber standen, aber dann würde man ignorieren, dass die Unterstützung für die Sowjetunion in den Satellitenstaaten nicht mehr sonderlich stark ausgeprägt war. Eher trug die dort fehlende Unterstützung erheblich zum Umsturz bei und so erklärt sich vielleicht auch ein großer Teil des Friedens. Daraus würde ich nun ableiten, dass die Chance, dass es zwischen China und den USA zu einem direkten Krieg kommt, eher unwahrscheinlich sind. Ein Proxywar ist da eher zu erwarten und genau jene, wurden an dieser Stelle außer acht gelassen.

Durchaus interessant, all das, aber in meinen Augen nur bedingt hilfreich.

Concurrently, Saudi Arabia, the UAE, Qatar and Kuwait have landed troops in the southern city of Aden, the former capital of South Yemen, and are using the city to assist local, southern tribal militias organized under the broad network of al-Muqawama al-Sha’biya (Popular Resistance Committees). This has succeeded first in pushing the Houthis and their allies back from the city and pressuring Houthi-held areas around the city of Taiz in the country’s southwest and in the mainly desert region of Mareb, to the west of Sana’a (The National, September 7; YouTube, July 3; YouTube, June 17; YouTube, June 8;YouTube, June 5; YouTube, May 31; Khabar News Agency [Taiz], April 21; YouTube, April 21; al-Arabiya, March 26).

Kurz gesagt: Es gibt ein paar Optionen die der Lösung dienlich wären und alle kommen für Saudi Arabien nicht in Frage. Allerdings sind die Partner von Saudi Arabien weniger erpicht darauf diesen Krieg in die Länge zu ziehen. Wenn man den Schritt zu einem Frieden nicht wagt, der auch eine Aufspaltung des Jemen zur Folge haben könnte, dann bleibt Saudi Arabien eigentlich nur die Intensivierung des Krieges. Es bleibt alles katastrophal und ein klarer Gewinner der Situation ist Al Kaida.

Der ewig brennende Müllvulkan in Griechenland

Die griechische Insel Kalymnos hat eine illegale Müllverbrennungsanlage. Einen Müllvulkan. Der Beitrag kommt irgendwann auf all jene zu sprechen, die durch die Krise in Griechenland im Müll eine Möglichkeit finden ein Brot zu verdienen. Und spätestens an diesem Punkt, musste ich an die Müllkinder in Afrika denken. Ansonsten ist die Insel aber recht schön, ein regelrechtes Touristenparadies. Auf der anderen Seite, auf der kein Müll verbrannt wird.

Nächste Buchrezension im Blog:

  • Robert James Fletcher – Inseln der Illusionen

Buch (am Lesen):

  • Wendy Brown – Die schleichende Revolution: Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerstört (Es ist mir entgangen, dass Wendy Brown auch endlich ein Buch in Deutschland veröffentlichen darf. Lange genug hat es gedauert und ich habe an verschiedenen Stellen dafür geworben, da sie eine der schärfsten Beobachterinnen unserer Zeit ist.)

Bücher (zu lesen):

  • Saskia Sassen  – Ausgrenzungen: Brutalität und Komplexität in der globalen Wirtschaft (Auf das Buch stieß ich während meines Berlin-Besuchs. Es passt sehr gut zu den vielen Gesprächen die ich führte und die hier noch zu verarbeiten sein werden.)
  • John Lloyd & Laura Toogood: Journalism and PR (Auf die Studie stieß ich durch einen Artikel in der NZZ und einige Thesen klangen verheißungsvoll.)
  • Ray Bradbury – Fahrenheit 451 (Für mich dann abschließendes Werk aus der (Gegenwartsdystopie-Reihe.)

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