Die Prager Burg zeigt Flagge (eine rote Unterhose)

Heute geht es um Tschechien und was sich daraus über Europa ablesen lässt. Das ist fast alles, aber nicht unwichtig.

Da ich Urlaub habe, wird es hier bis Ende September etwas ruhiger.

Thema in Beobachtung

In Tschechien gibt es Anarcho-Künstler. Aus Protest gegen die aktuelle Politik des Präsidenten Milos Zeman haben sie sich eine überdimensionale Unterhose gebastelt und diese auf der Prager Burg gehisst. Ein Sakrileg, da es sich um den Amtssitz des Präsidenten handelt. Das ist zwar nicht so abgefahren wie eine Bundesflagge an einem FSB-Gebäude aufzuhängen, aber es stellt sich die Frage, was das Anliegen dieser Herren ist. Man hört ja sonst eher wenig aus Tschechien.

Randnotiz: Aus Protest gegen die momentane Flüchtlingshysterie, haben sich die Künstler bei ihrer Aktion als Schornsteinfeger verkleidet.

In einem europapolitischen Kontext ist die Kritik an Zeman recht interessant. Der Vorwurf lautet, dass er Tschechien immer näher an Russland rücke und auch sonst keine Problem mit Diktaturen haben. Namentlich China. Unrecht hat die Truppe damit nicht. Der tschechische Präsident Zeman nahm an der Militärparade zum Gedenken des zweiten Weltkriegs in Peking teil, wobei er auch auf Putin (Russland) und illustre Herren wie Lukaschenko (Belarus) traf. Kurz darauf forderte er ein Ende der Sanktionen gegen Russland und eine Zusammenarbeit gegen den IS. Milos Zeman drängt innerhalb der EU somit indirekt darauf, Assad im Amt zu halten und die Linie Russlands zu verfolgen.

Die Kritik mag also durchaus berechtigt sein, wenn man denn politisch dieser Meinung ist. Sie zeigt uns hier aber vor allem auf, dass die gefühlte Distanz, unserer osteuropäischen Nachbarn, gegenüber Russland, nicht allerorten vorhanden ist. Es deutet sich folgende Opposition innert der EU im Sinne Russlands an: Österreich, Tschechien, Griechenland, Zypern, Ungarn, Spanien, Slowenien und Italien. Die Slowakei und Kroatien scheinen mir eher unentschlossen.

Cutting Through Hungary’s Razor Wire Fence: Breaking Borders (Dispatch 6)

Nächste Buchrezension im Blog:

  • Robert James Fletcher – Inseln der Illusionen

Buch (am Lesen):

  • John Lloyd & Laura Toogood: Journalism and PR (Auf die Studie stieß ich durch einen Artikel in der NZZ und einige Thesen klangen verheißungsvoll.)

Bücher (zu lesen):

  • Heinrich und Christine Gondela – Auf der Reise ins Paradies (Ein Reisetagebuch aus dem Jahre 1802)
  • Lena Gorelik: Null bis unendlich (Ich schätze Lena Gorelik sehr. Sie hat in den letzten Jahren einen großen Sprung gemacht, dieser Roman könnte ihr Durchbruch sein.)
  • Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter (Von ihrem Erstling “Eisenkinder” war ich sehr begeistert. Hier auch ein Podcast mit der Autorin. Nun hat sie eigentlich noch einen Erstling veröffentlicht. Der erste Roman. Eine Prognose wage ich nicht.)

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