Lana Del Rey singt Chinas Wirtschaft in den Schlaf

Heute geht es um das Wochenende, denn wie wir gelernt haben, muss Entspannungsarbeit gut vorbereitet werden. Videos, eine Doku, Bilder und ein längeres Lesestück über David Humes Verbindung zum Buddhismus. Beim Zusammenstellen ergab sich eine etwas ausführlichere Betrachtung der wirtschaftlichen Lage in China. Besorgt sein muss niemand, die Regierung arbeitet daran alle Problemfaktoren zu beseitigen. Wortwörtlich.

Was war?

Die Rezension von Zacharias Amers “Zenobia” habe ich mittlerweile geschafft. Es war, glaube ich, die bisher Kürzeste in diesem Blog. Das lag aber nicht an mir, sondern an dem Buch.

Themen in Beobachtung (Wochenendversion)

  • China ist das neue Wirtschaftswunderland. Also das, was die Deutschen einst waren, die jetzt nur noch Weltmeister sein wollen. Es geht zu einem großen Teil um den reinen Aufstiegswillen, den sich China einiges kosten lässt. Schon länger arbeitet die Regierung daran, das einst alleinige Dogma “One China” um eine Art “Chinese Dream” zu ergänzen. Al Jazeera hat eine sehenswerte Doku über diesen Traum gedreht. Zu beachten ist die Besonderheit, dass in China alles, was funktioniert, im Lauf der Zeit als “chinesisch” angesehen wird. Dabei ist es egal, ob es sich um Coca Cola oder Volkswagen handelt. Im Kontrast dazu, gilt es bis heute als wertsteigernd, wenn Ausländer mit den Dingen zu tun haben.

Diese Eindrücke werden durch einen Artikel von Julia Smirnova ergänzt, der das Verhältnis zwischen China und Russland im Grenzgebiet beobachtet. Im Jahr 2008 erschien bei Zweitausendeins die deutsche Übersetzung eines chinesischen Romans, der den Kampf unter den Aufsteigern thematisierte. Dortzulande ein Bestseller (5 Mio. Leser per Internet, 1. Auflage 500.000 Stück), ist “Chengdu, vergiss mich heut Nacht” ein immer noch lesenswertes Buch, in dem die Konflikte sehr eindrücklich festgehalten wurden. Der Absturz kann schnell kommen, in einem Land, in dem das Individuum nicht viel Wert ist.

Auffällig ist, dass Chinas Wachstum zu einem großen Teil auf den Boom im Immobiliensektor zurückzuführen ist. Im Vorfeld der Rückschläge am Aktienmarkt in Shanghai, verzeichnete man konsequenteter Weise rückläufige Immobilienpreise. Jetzt tut die Regierung alles, damit zumindest die Märkte wieder ins Lot geraten. Nachmittags taucht an den Börsen ein Käufer auf, es wird an den Patriotismus der Anleger appelliert und ein Journalist, der angeblich den Börsencrash auslöste, wurde inhaftiert. Zugleich fand eine riesige Militärparade statt (Bildstrecke). Sigmund hätte seine Freude daran.

Die Krise hat auch für China ihren Preis. André Kühnlenz hat in seinem Blog aus neuen Daten der BIZ eine Vergleichsgrafik des non-financial Debts von China, Europa und den USA gebastelt.

Kurz gesagt, hat China erstmals die USA überholt. Der Trend scheint klar, man wird auch bald Europa hinter sich lassen. Das Thema findet seit 2013 über den Kanal steigende Kreditrisiken in Chinas Unternehmen einen Weg in die Öffentlichkeit. Wirklich überraschend kommen diese Zahlen nicht. Es bleibt die Frage, inwieweit die Regierung dieses Gemisch an nicht wandelbaren Fakten in den Griff bekommt. Bisher hat sie es trotz aller Bemühungen nur geschafft die Kreditrisiken auszuweiten. Während der jüngsten Turbulenzen traf es auch die Banken. In Hongkong verdoppelte sich deren Kreditrisiko innert kürzester Zeit auf 2,65%. Gehandelt wird mit China natürlich trotzdem und dabei gibt es Gewinner, wie auch Verlierer.

  • Die Nasa hat Bilder des Plutos veröffentlicht. So sahen wir ihn noch nie.
  • Freunde der Popkultur könnten sich eine Enttäuschung ersparen. Andernseits ist Gähnen ansteckend und am Wochenende möchte man ausschlafen.

Alison Gopnik ließ sich scheiden, verkroch sich mit Büchern in einem kleinen abgewrackten Zimmer und entdeckte die Verbindung zwischen David Hume und Buddah. Einer der besten Texte, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Und auch die Bestätigung für einen neuen Trend in der Philosophie, der sich schon länger andeutete. Mit zunehmender Globalisierung erkennen wir, dass verschiedenen Glaubensansätze und Philosophien zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommen. Bei aller Unterschiedlichkeit, die man zwischen den Kulturen entdecken kann, gibt es eine bemerkenswerte Einigkeit in den grundsätzlichen Dingen. Auch deshalb, weil es interkulturellen Austausch schon länger gab, wir aber nur eurozentristisch analysiert haben. Ganze Biographien müssen umgeschrieben werden und die westliche Philosophie wird um ein paar vergessene Köpfe reicher. In diesem Fall um Ippolito Desideri.

Elefanten!

Nächste Buchrezension im Blog:

  • Robert James Fletcher – Inseln der Illusionen

Buch (am Lesen):

Gabriel Tarde – Masse und Meinung

Bücher (zu lesen):

  • Lena Gorelik: Null bis unendlich (Ich schätze Lena Gorelik sehr. Sie hat in den letzten Jahren einen großen Sprung gemacht, dieser Roman könnte ihr Durchbruch sein.)
  • Atef Abu Saif: Frühstück mit der Drohne (Aus der Sicht einer Privatperson. Angeblich mit Aussparung von Propaganda. Ein neues Genre?)
  • Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter (Von ihrem Erstling “Eisenkinder” war ich sehr begeistert. Hier auch ein Podcast mit der Autorin. Nun hat sie eigentlich noch einen Erstling veröffentlicht. Der erste Roman. Eine Prognose wage ich nicht.)

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